BUND Hochrhein

Gras einfach wachsen lassen

26. Mai 2021 | Naturschutz, Wildbienen, Schmetterlinge

Im Sommer den Rasenmäher stehen zu lassen spart Zeit und Mühe und ist gut für viele Kleinlebewesen.

Tagpfauenauge  (Christoph Böhme)

Die Temperaturen steigen und das Gras sprießt im Garten – manch Gärtner*in möchte da direkt den Rasenmäher anwerfen. Doch wer häufig mäht verhindert, dass sich Insekten und andere Kleinlebewesen im eigenen Garten wohlfühlen.

„Ein Golfrasen ist für die heimische Artenvielfalt so verkehrt, wie ein gepflasterter Parkplatz. Hier findet weder das Grüne Heupferd noch ein Zitronenfalter oder der Gebänderte Pinselkäfer den Lebensraum, den diese Tiere brauchen. Immer mehr Lebensräume für diese Arten gehen verloren, durch den Bau von Straßen, Siedlungen oder Gewerbeflächen. Auch Ackerflächen bieten keine guten Lebensbedingungen. Umso wichtiger ist es, dass auch private Gartenbesitzer*innen etwas für den Erhalt der heimischen Artenvielfalt tun“, weiß Dominic Hahn, Naturschutzreferent beim BUND Baden-Württemberg. „Mut zur Unordnung ist gefragt. Die mutmaßliche Unordnung ist vielmehr ein gesunder und wertvoller Lebensraum für unsere Tier- und Pflanzenwelt.“

Warum sollte man Gras stehen lassen?

Altgrasstreifen sind über das ganze Jahr ein wichtiger Lebensraum. „Nicht nur Heuschrecken fühlen sich im hohen Gras wohl, auch viele weitere Tiere brauchen hohe Wiesen um sich zurückzuziehen oder auch um sich fortzupflanzen. Untersuchungen zeigen: In Altgrasstreifen sind ein Vielfaches der heimischen Tiere anzutreffen. In abgemähten Grünflächen sieht es dagegen düster aus. In Altgrasstreifen blühen auch Blumen auf, die durch häufiges Mähen keine Chance hätten“, sagt der BUND-Naturschutzreferent. Blumen sind über die ganze Saison bis zum Herbst eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen, Schmetterlinge oder auch Schwebfliegen. Nektar- und pollenhaltige Wildkräuter wie Klee, Margeriten, Wiesensalbei, Kriechender Günzel oder Ehrenpreis vertragen keinen häufigen Schnitt.

Anpassung an trockene Sommer

Aber auch wer kaum Blumen in der Wiese hat, sollte das Gras bis zu seiner ganzen Größe wachsen lassen. Im Winter bietet das trockene Gras Schutz zur Überwinterung für verschiedene Krabbeltiere und Kleinsäuger. Und auch im Hochsommer ist das Gießen des Rasens bestenfalls dann überflüssig. Durch die hohe Schicht Gras verdunstet weniger Wasser aus dem Boden und Feuchtigkeit kann sich besser halten. Dadurch wird verhindert, dass die Wiese an heißen Tagen verbrennt.

Pflegetipps: Trotzdem gepflegtes Aussehen erreichen

Im neuen Frühjahr sollte altes Gras abgenommen werden, damit sich kein dichter Filz bildet. Sonst ist es für das junge Grün schwer auszutreiben. Das alte vertrocknete Gras im Frühjahr einfach ausreißen oder mit einer Sense abmähen. Alternativ kann die Wiese spät gemäht werden, nachdem alle Blumen Zeit hatten zu blühen und Samen auszubilden. Eine andere naturfreundliche Möglichkeit ist, bewusst Wiesen-Inseln im Garten wachsen zu lassen. Auch damit leistet man bereits einen wichtigen Beitrag. Diese Inseln werden dann im neuen Frühjahr abgeschnitten.

Lieber zur Sense greifen

„Das Mähen mit der Sense hat das Potenzial zum neuen Trendsport. In Österreich werden sogar landesweite Meisterschaften ausgerichtet. Generell ist das Mähen mit der Sense auch für Insekten sehr viel schonender, da die Tiere nicht dem schnelllaufenden Messer des Rasenmähers zum Opfer fallen. Mit der Sense kann das hohe Gras abgeschnitten werden“, weiß Hahn.

Was macht einen naturnahen und ökologischen Garten noch aus?

  • Wilde Ecke, volles Leben: Lassen Sie Wildnis zu und Gräser und Kräuter stehen. Brennnesseln, Salweide und Brombeere z.B. sind Futter für Schmetterlingsraupen, Laub- und Reisighaufen Verstecke für Igel und Co.
  • Nur heimische Pflanzen: Exotische und stark gezüchtete Pflanzen bieten unseren Tieren kaum Nahrung. Eine Hecke aus verschiedenen heimischen Sträuchern gibt mehr Tierarten Nahrung und Lebensraum als eine Monokultur.
  • Totholz ist lebendig: Absterbendes Holz ist für viele Insekten als Wohnung, Nahrung oder Baumaterial wichtig.
  • Stehen lassen: Abgestorbene Staudenstängel sind gelegentlich innen hohl und kleine Tiere können darin überwintern. Manchmal hängen auch Beeren oder Samen dran, die Vögel im Winter fressen können.
  • Fruchttragende Sträucher: Einheimische Vögel ernähren sich von Holunder, Kornelkirsche oder Pfaffenhütchen. Kirschlorbeer, Thuja oder Bambus bieten ihnen nichts.
  • Gartenteich / Wasserloch: Im Wasser tummelt sich Leben. Sie helfen damit Libellen, Vögeln und Amphibien, Lebensräume, Futter und Trinken zu finden.
  • Wasser anbieten: Grade jetzt im Sommer eine flache Schale Wasser im Garten aufstellen. Vögel, Wespen und andere Insekten können hier ihren Durst löschen. Legen sie einen flachen Stein in die Schale, damit die Insekten auch wieder herauskommen.
  • Heimische Wildblumen und –stauden sind die wichtigste Nahrungsquelle für Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge. Bitte nutzen Sie keine Zuchtvarianten!
  • Rauf aufs Beet: Der Rasenschnitt kann als Mulch-Material locker auf die Gemüsebeete oder um Beerensträucher gestreut werden. So kommen Wildkräuter nicht hoch und man spart sich das häufige Jäten. Außerdem schützt Mulchen vor dem Austrocknen des Bodens.

Kontakt für Rückfragen:

  • Dominic Hahn, Referent für Naturschutz, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dominic.hahn(at)bund.net; 0711 620306-14
  • Angela Koch, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit, BUND Baden-Württemberg, angela.koch(at)bund.net; 0176 240 43 107

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