Pestizide im Garten: Tödliche Gefahr für Amphibien und Co.

03. August 2023

Der BUND Baden-Württemberg appelliert an Gartenbesitzer*innen, zum Wohle der Tiere auf Pestizide zu verzichten.

In Baden-Württemberg sind die Bestände bei 13 der 19 vorkommenden Amphibienarten rückläufig.  (Reinhold Bruder)

Unsere heimischen Amphibien sind zunehmend gefährdet. Bei 13 der 19 in Baden-Württemberg vorkommenden Amphibienarten sind die Bestände rückläufig. Das ist auch dem Einsatz von Pestiziden geschuldet. Diese chemisch-synthetischen Stoffe sind auch als Pflanzenschutzmittel bekannt und sollen „unerwünschte Organismen“ töten, vertreiben oder deren Wachstum/ Keimung hemmen. Das können beispielsweise Insekten (Insektizide), Pilze (Fungizide) oder Pflanzen (Herbizide) sein. Pestizide werden vor allem in der Landwirtschaft, aber auch in privaten Gärten ausgebracht. Der BUND Baden-Württemberg appelliert daher an die Gartenbesitzer*innen im Land: Verbannen Sie die Giftstoffe aus Ihrem Garten!

Warum sind Pestizide für Amphibien gefährlich?

„Amphibien atmen auch über ihre dünne und durchlässige Haut, die sogenannte Hautatmung. Deswegen nehmen sie Pestizide leichter und in größeren Mengen auf als andere Wirbeltiere und werden unmittelbar geschädigt“, erklärt Sarah Christmann, Leiterin des Projekts „220 Amphibiengewässer“ beim BUND Baden-Württemberg. Betroffen sind Amphibien in sämtlichen Altersstadien: vom Laich über Kaulquappen bis zu ausgewachsenen Tieren. Die Pestizide beeinträchtigen die Entwicklung der Tiere, schwächen ihr Immunsystem und beeinflussen den Hormonhaushalt. Das macht Kröte, Molch und Co. anfälliger für Missbildungen und Krankheiten. Die Gifte können sich auch auf die Spermienproduktion auswirken und damit ganze Bestände gefährden. In Versuchen der Universität Koblenz-Landau hat sich gezeigt, dass viele der landwirtschaftlichen Pestizide bei direktem Kontakt teilweise schon in geringen Mengen tödlich für die Tiere sein können.

Wo finden sich Pestizide?

Pestizide breiten sich unkontrollierbar aus. Die Wirkstoffe werden verweht, verdunsten, versickern oder werden abgeschwemmt und können sich in Nahrungsketten anreichern. Die Pestizidgrenzwerte für Kleingewässer werden in Deutschland an 81 Prozent aller Messstationen überschritten (Pestizidatlas 2022). Aber nicht nur die Pestizide, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, spielen dabei eine Rolle. Auch in den rund 20 Millionen Haus- und eine Million Kleingärten summiert sich die verhältnismäßig geringe Wirkstoffmenge in jedem einzelnen Garten schnell auf. Viele Tonnen an Pestiziden werden in Deutschland jährlich in privaten Gartenanlagen ausgebracht. Sie sind in Gartencentern oder Baumärkten nach Zulassung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) frei verfügbar. Der Einsatz wird im Gegensatz von landwirtschaftlich verwendeten Substanzen allerdings nicht kontrolliert und sie werden oft überdosiert.

Wie erkenne ich schädliche Mittel?

Viele der frei verkäuflichen Pestizide sind sehr giftig für Amphibien und andere Wasserorganismen, teilweise mit langfristiger Wirkung. Für Hobby-Gärtner*innen ist das aber oft nicht leicht zu erkennen, da die Mittel gegen „Schadinsekten“ oder „Unkräuter“ oft harmlos gestaltet und teilweise sogar als „nicht bienengefährlich“ gekennzeichnet sind. Schauen Sie unbedingt immer in das Sicherheitsdatenblatt, um sich über das Gefahrenpotential des Mittels zu informieren. Mehr Informationen zu Pestiziden in Bau- und Gartenmärkten gibt es auch auf der Webseite des BUND.

Sind Pestizide auch für andere Tiere oder Menschen gefährlich?

Pestizide können auch etlichen weiteren Pflanzen- und Tierarten enorme Schäden zufügen. Dazu gehören zum Beispiel Bienen oder Schmetterlinge, die auch in heimischen Gärten für die Bestäubung und spätere Ernte unverzichtbar sind. Auch für den Menschen können Pestizide gefährlich sein: Jährlich erkranken weltweit 385 Millionen Menschen an Pestizidvergiftungen, 11.000 sterben an den Folgen (Pestizidatlas 2022). Weitere Infos zu Pestiziden finden Sie im Pestizidatlas.

Gibt es Alternativen zu Pestiziden für den eigenen Garten?

Hobbygärtner*innen sollten im eigenen Garten unbedingt auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Es gibt auch umweltverträgliche Möglichkeiten mit sogenannten Schädlingen und Unkräutern fertig zu werden: „Gegen unerwünschte Kräuter hilft es zu jäten oder umzugraben. Um Kulturpflanzen vor „Schadinsekten“ zu schützen, können Sie diese von Hand entfernen, stärkende Pflanzenjauchen einsetzen oder Nützlinge im Garten fördern“, rät Sarah Christmann. Konkrete Tipps zum umweltverträglichen Gärtnern und Umgang mit Schadinsekten und Pflanzenkrankheiten finden Sie in der BUND-Publikation Naturnahes Gärtnern.

Was kann ich in meinem Garten bewirken?

Haus- und Kleingärten nehmen deutschlandweit insgesamt eine Fläche von ca. 930.000 Hektar ein, das entspricht mehr als einem Viertel der Landesfläche Baden-Württembergs! Damit haben private Gartenflächen ein hohes Potenzial für den Artenschutz und können Lebensräume für Amphibien, aber auch Vögel, Insekten und Säugetiere sein. „Verzichten Sie deshalb am besten vollständig auf den Einsatz von Pestiziden in Ihrem Garten und schaffen Sie eine Naturoase. So leisten Sie einen wertvollen Beitrag für den Schutz von gefährdeten Kröten, Molchen und Co. und können den eigenen Garten und darin angebautes Obst und Gemüse ohne die Angst vor unerwünschten Giftcocktails genießen“, empfiehlt Sarah Christmann.

Hintergrund

Das Projekt „220 Amphibiengewässer“ wird vom BUND Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Amphibien-Reptilien-Biotopschutz Baden-Württemberg (ABS) und dem NABU Baden-Württemberg durchgeführt und durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft gefördert. Es ist im Juli 2022 gestartet und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Ziel des Projekts ist, dem dramatischen Rückgang der ehemals häufigen heimischen Amphibien entgegenzuwirken, indem die Sanierung von 220 Amphibien-Gewässern in ganz Baden-Württemberg vorangetrieben und ein langfristiges Amphibienschutzprogramm angestoßen wird.

 

Mehr Informationen

 

Kontakt für Rückfragen

Sarah Christmann, Projektleiterin „220 Amphibiengewässer“ beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, sarah.christmann(at)bund.net, 0152 56793051

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