BUND Hochrhein

Schottergärten schaden Mensch und Umwelt und sind verboten

22. August 2021 | Nachhaltigkeit, Wildbienen, Naturschutz, Lebensräume, Klimawandel

Seit Sommer 2020 sind in Baden-Württemberg Schottergärten verboten. Auch bestehende Schottergärten sollten nun zu lebendigen Lebensräumen rückgebaut werden. Der BUND hat Tipps.

Schottergarten mit Blumentopf  (Irene Blaha)

Schottergärten sind fatal für Natur und Mensch. Die grauen Wüsten liefern Insekten keine Nahrung und keinen Lebensraum. Und im Sommer erhitzen sich die Steine so sehr, dass sie die Temperaturen in Wohngegenden in die Höhe treiben. Deshalb verbietet ein Gesetz seit Sommer 2020 neue Schottergärten anzulegen. Die Landesbauordnung schreibt bereits seit 1995vor, dass nicht bebaute Flächen von Hausgrundstücken Grünflächen, also bepflanzte Flächen, sein müssen. Wer dagegen verstößt, kann von der Baurechtsbehörde durch eine Beseitigungsverfügung zum Rückbau gezwungen werden. Schottergärten aus Vorjahren sollten Garten-Besitzer*innen zurückbauen.

Die Begrünung der Städte ist eine wichtige Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Viel Grün in der Stadt und bepflanzte Gärten kühlen die Umgebungstemperatur durch Verdunstungskälte. Naturnahe Gärten können außerdem Luftschadstoffe und Feinstaub aus der Luft aufnehmen und dadurch für eine bessere Lebensqualität sorgen. Auch die Starkregen und Überflutungen erfordern Anpassungen: Gesunde, humusreiche Böden speichern Wasser wie ein Schwamm und können damit den schnellen Abfluss des Regenwassers abfedern und Hochwasserspitzen verhindern. Schottergärten können dies nicht.

Für Tiere und Pflanzen sind die Schottergärten tote Steinwüsten. Hier gibt es keine Blüten, keine Pollen, kein Leben. Der Verlust von Lebensräumen für heimische Wildpflanzen und -tiere ist eine entscheidende Ursache des Artensterbens. Deshalb sollte nach Möglichkeit jeder verfügbare Quadratmeter im Siedlungsbereich für Stadtnatur erhalten bleiben. In Schottergärten finden Nützlinge wie Igel, Wildbienen und Vögel weder Nahrung noch Verstecke, weshalb sie dort auch nicht überleben können.

Tipps: Schottergärten zu lebenswerten Naturoasen umwandeln

Um einen Schottergarten zu renaturieren, sollten Garten-Besitzer*innen als ersten Schritt Schotter samt Trennvlies oder Kunststofffolie entfernen. Dann kann die Vertiefung mit Beeterde aus einem nahegelegenen Kompostwerk aufgefüllt und schließlich mit heimischen Stauden bepflanzt werden. Eine andere Möglichkeit ist, nur Vlies oder Folie zu entfernen, den Schotter aber zu belassen. Zwischen die Steine bringen Sie dann Substrat ein, sodass im Schotter wieder Pflanzen wachsen können. Dazu werden pro Quadratmeter etwa 50 Liter Grubensand und 20 Liter Grünschnittkompost benötigt. Die obersten zehn Zentimeter des Schotter-Sand-Kompost-Bodens gut mischen und fein-krümelig harken. Anschließend eine heimische Wildblumensamenmischung für magere, trockene Standorte einsäen. Schon bald ist der Pflegeaufwand gering und die Wildblumenwiese erhält sich durch Selbstaussaat.

Liste geeigneter Wildblumen:

  • Acker-Witwenblume Knautia arvensis
  • Echtes Labkraut Galium verum
  • Färberkamille Anthemis tinctoria
  • Gewöhnlicher Natternkopf Echium vulgare
  • Heilziest Betonica officinalis
  • Nelkenleimkraut Silene armeria
  • Sandthymian Thymus serpyllum
  • Scharfer Mauerpfeffer Sedum acre
  • Trauben-Skabiose Scabiosa columbaria
  • Taubenkropf-Leimkraut Silene vulgaris
  • Wiesenflockenblume Centaurea jacea
  • Wiesen-Margerite Leucathemum vulgare
  • Wiesen-Salbei Salvia pratensis

Wer wenig Zeit für Pflege aufwenden kann, pflanzt beispielsweise Lavendel, Rosmarin, Wiesen- oder Gewürz-Salbei, Thymian, Oregano als Pflänzchen. Garten-Besitzer*innen müssen sie nur einmal im Spätsommer zurückschneiden und nicht einmal gießen.

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